Man muss sich nicht alles kaufen, nur weil man es sich leisten kann
Manche Menschen müssen immer alles sofort haben, was ihnen gefällt. Sie können nicht an einem Schaufenster vorbeigehen, in dem ein schönes Kleid, eine tolle Uhr oder sonst etwas Nettes ausgestellt ist.
Die Werbung tut da einen Großteil dazu und versucht uns zu verführen. Deshalb hier ein Lösungsansatz, um den eigenen ‚Spontankaufschweinehund’ in Zukunft etwas besser unter Kontrolle zu bekommen:
Eine Angewohnheit, die sehr viel mehr an Geldmitteln verschlingt, als man im Grunde genommen braucht, ist die Gewohnheit, den ganzen Monat über immer wieder am Geldautomaten Bargeld abzuholen oder laufend mit Kreditkarten zu bezahlen.
Das Geld rinnt einem durch das ständige 'Geldziehen' förmlich durch die Finger. Nicht selten verliert man den Überblick und am Monatsende ist man geschockt von den vielen Barabhebungen bzw. der Kreditkartenrechnung, die sich zu einer meist imposanten Summe aufgetürmt hat.
Wir vom FinanzplanTeam halten auch deshalb von Haushaltsbüchern nicht viel, weil ein Haushaltsbuch zwar die einzelnen Ausgabeposten auflistet, aber an der Gewohnheit, ständig neues Geld zu holen, nichts ändert.
Sie können also mit einem herkömmlichen Haushaltsbuch nur die Vergangenheit 'durchstöbern'. Wie sieht ein Haushaltsbuch in der Praxis aus?
Man rennt z.B. am Wochenende noch schnell zum Bankomaten und holt 200 Euro für den Einkauf. Wenn jetzt eigentlich schon kein Geld mehr auf dem Konto war, ist das Kind (aus Sicht des Finanzplans) bereits in den Brunnen gefallen.
Dann geht's ab zum Einkaufzentrum und nach stundenlangem Einkaufen kehrt man mit einem langen Kassenzettel nach Hause zurück. Als hätte man jetzt nicht bereits genug getan, muss man nun bei einem Haushaltsbuch noch alle Beträge auf dem Kassenzettel durchgehen und nach Kategorien wie Körperpflege, Geld für Essen, Trinken, Putzmittel etc. ordnen.
Der Mann behauptet dann, Bier sei ein Grundnahrungsmittel, während die Frau es unter Luxus einbuchen würde. Dagegen ist z.B. ein Schminkstift für die Frau überlebensnotwendig, der Mann hingegen hätte den gar nicht erst gekauft ;-)
SO... macht sparen keinen Spaß und meist lässt man das nervende 'Mitschreiben der Kosten' auch schon bald wieder sein. Es bringt ja auch nichts, denn nur am Haushaltsgeld zu sparen macht auf Dauer wenig Sinn.
Ein Finanzplan hingegen arbeitet mit der '4-Umschlagmethode'
Legen Sie zunächst die Summe fest, die Sie pro Monat für Essen, Trinken, Reinigungsmittel etc. brauchen. Diesen Betrag sollten Sie nicht zu knapp bemessen. Meist haben die Frauen dabei das viel bessere Gefühl als Männer. Also liebe Männer: Hört auf Eure Frauen (natürlich nicht nur bei diesem Thema)!
Holen Sie dann Ihr Haushaltsgeld einmal pro Monat als gesamten Betrag von der Bank und teilen Sie diesen Betrag in vier gleiche Teile. Nun nehmen Sie vier Briefumschläge und beschriften diese mit Woche1, Woche2, Woche3 und Woche4. Jetzt bestimmen Sie den Tag in der Woche, an dem Sie den Wochenumschlag jeweils öffnen - und halten Sie sich daran.
Dieser Betrag steht Ihnen pro Woche zur Verfügung. Sie holen kein weiteres Geld von der Bank. Sie werden sehen, nach anfänglichem Ruckeln kommen Sie damit sehr gut zurecht.
Genauso verfährt man mit den Posten für Taschengeld und Geld für Kleidung (nur dass hier nach Personen des Haushalts und nicht nach Wochen in die Umschläge aufgeteilt wird). Also ein Umschlag für Papa, einen für Mama, einen fürs erste Kind, einen fürs zweite Kind usw. Aber auch diese Posten werden NUR EINMAL PRO MONAT als Bargeldabhebung von der Bank abgeholt.
Die Idee mit den Umschlägen ist simpel und genial zugleich. Die Finanzen sind wunderbar geordnet, und die ganze Aufschreiberei entfällt. So hat man Zeit, sich um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern!
Und was passiert, wenn die Umschläge leer sind und ich noch Geld benötige?
Nun, zunächst müssen Sie eine Summe festlegen, mit der Sie auch wirklich auskommen können. Man kann eine 4-köpfige Familie einfach nicht mit 250 Euro an monatlichem Haushaltsgeld ernähren. Legen Sie deshalb einen Betrag fest, der Ihre Kosten realistisch abdecken kann.
Wenn dann allerdings bereits 2 Tage, bevor es einen neuen Umschlag gibt kein Geld mehr da ist, gibt es auch nichts mehr.
Jetzt sind Sie gefragt. Improvisieren Sie, das sind so die Tage, an denen man sich auf das besinnt, was noch im Vorratsraum ist. Widerstehen Sie jetzt bitte der Verlockung. Holen Sie kein Geld von der Bank, sondern beschränken Sie sich bewusst darauf, was noch da ist.
Wir machen das heute noch so, und es bringt nicht nur einen geordneten Haushalt mit sich sondern auch viel Spaß. Wenn Sie noch zwei Tage der Woche übrig haben, der Umschlag aber leer ist, dann gibt’s eben „nur“ Kartoffeln mit Quark oder Nudeln oder was immer Ihnen einfällt und/oder Ihr Kühlschrank noch hergibt.
Diese Methode ist übrigens auch für alle Kinder im Haushalt sehr heilsam. In Zeiten, in denen Designerklamotten schon bei 12-Jährigen angesagt sind, tut es ganz gut, wenn die Jungs und Mädels merken, dass Geld nicht auf den Bäumen wächst.
Das gute Gefühl eines vollen Bauches schätzt der am ehesten, der mal ein paar Tage Hunger hatte. Und auch ein warmes Dach über dem Kopf ist für Millionen von Menschen auf dieser Welt keine Selbstverständlichkeit, sondern purer Luxus.
Sie merken schon, wir denken, es tut uns allen gut, uns bewusst zu machen, dass es uns eigentlich blendend geht. Auch oder gerade bei Pellkartoffeln mit Quark (schmeckt übrigens ganz lecker, es müssen nur noch ein paar Kräuter dazu).
Probieren Sie es aus, die 4-Umschlagmethode ist wirklich ein kleines Zaubermittel um seine Kosten dauerhaft zu senken!
Und Ihre Kreditkarten? Da gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder kommen Sie mit Ihren Karten prima zurecht, weil Sie bereits jetzt nichts spontan kaufen oder Sie erleben immer wieder unangenehme Überraschungen, wenn die Kartenabrechnung per Post kommt. Ist Letztes der Fall, zerschneiden Sie Ihre Karten bitte jetzt gleich und kündigen Sie Ihre Kreditkartenverträge.
In diesem Kapitel wollen wir aber noch kurz über das reine ‚gut auskommen’ mit seinem Geld etwas weiter hinausgehen.
Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, ob man sich alles kaufen muss, nur weil man es sich leisten kann. Es geht also darum, bewusst auf Dinge zu verzichten, obwohl man sie sich bequem leisten könnte. Tina und ich machen das ziemlich oft und das sind einige unserer Gründe dafür:
- Bei manchen Anschaffungen scheuen wir einfach die Folgekosten und haben keine Lust auf höhere Fixkosten im Monat, die man dann wieder hereinarbeiten muss.
- Manchmal ist uns der Aufwand für die Pflege zu hoch. Wir sind dann beispielsweise zu faul, den Gegenstand immer zu reinigen und in Schuss zu halten. Ein Rasenmäher zum Aufsitzen ist nun mal viel komplizierter zu pflegen und zu warten, als ein ganz normaler Benzinrasenmäher, den man vor sich herschiebt.
- Manchmal sind es auch ökologische Gründe, die uns vom Kauf abhalten. Erdbeeren im Dezember aus ‚weissderherrwo’ einfliegen zu lassen, finden wir aufgrund der eh schon angeschlagenen Umwelt schlicht unpassend.
- Dann gibt es Dinge, die wir nicht kaufen, weil wir uns bewusst noch Wünsche für unsere Zukunft aufheben möchten.
- Es gibt Dinge, die wir nicht kaufen, weil wir sie lieber selbst herstellen. Eine selbst eingekochte Marmelade ist jeder gekauften um Längen voraus.
Letztendlich befinden sich in einem modernen mitteleuropäischen Haushalt mit 3 - 4 Personen sage und schreibe 20.000 Dinge.
Wenn uns die nicht glücklich machen, werden wir mit der 20.001sten Anschaffung vermutlich auch nicht fröhlicher werden.
Und: Manchmal ist es gar nicht wenig, was wir haben, sondern nur wenig, was wir nutzen – und möglicherweise haben wir sogar mehr, wenn wir uns ab und zu von unnötigen Dingen trennen und anfangen, die Sachen, die wir wirklich brauchen, ganz bewusst zu genießen.
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Erstellt am: 23.08.2011

