Versuchen Sie, mit einem Teil (z.B. der ½) Ihres Einkommens auszukommen
Wenn Sie die Überschrift dieses Kapitels lesen, gehören Sie, lieber Leser, vielleicht auch zu den Menschen, die jetzt den Kopf schütteln und sich sagen: „Wie soll denn das funktionieren, mein gesamter Verdienst reicht ja kaum, um meine monatlichen Kosten bezahlen zu können. Mit der Hälfte meines Einkommens auszukommen ist einfach nur utopisch.“
Sollten Sie so denken, kann ich Sie gut verstehen. Ich selbst hatte nach 10 Jahren der Selbstständigkeit zwar einen ‚riesengroßen Laden’ mit mehr als 50 Mitarbeitern aufgebaut, aber finanziell gesehen hangelte ich mich nur von Monat zu Monat.
Das Einkommen war zwar spitze, aber meine Ausgaben waren noch viel ‚spitzer’ – ich kam finanziell einfach nicht voran. Außer einem riesengroßen Berg an Schulden hatte ich wirtschaftlich nichts erreicht.
Was mir fehlte war das Wissen um drei einfache Teilgesetze des Wohlstands und die lauten wie folgt:
- Wenn Du anfängst, Geld zu verdienen, dann verplane nur die Hälfte Deines Einkommens für fixe, also immer wiederkehrende Ausgaben.
- Wenn Du Dein Gehalt steigern konntest, gebe nur die eine Hälfte der Einkommenssteigerung aus, die andere Hälfte nimm um Deinen Sparbetrag zu erhöhen.
- Einmalige Ausgaben sind o.k. wenn Du sie bar bezahlen kannst, aber nimm Dich in Acht vor laufenden Fixkosten.
Aber der Reihe nach: Die Fehler, die man am Anfang seiner beruflichen Laufbahn macht, sind die Schlimmsten, denn sie wirken sich über eine ganz lange Zeit aus. Der ‚Hebel’ dieser Fehler ist durch die vielen Jahre also enorm hoch.
Bei mir war dieser Fehler, dass ich ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn bereits alles Geld für feste Ausgaben verplant hatte. Konkret bedeutet das in Zahlen: Im Jahr 1983 – das war das erste Jahr meiner Selbstständigkeit – hatte ich ein Bruttoeinkommen von 48.000 DM und musste davon feste Monatsausgaben von 4.000 DM bestreiten.
Ich dachte damals: „Das passt doch prima, ich gebe ja nicht mehr aus, als ich einnehme“ – aber das war natürlich vollkommener Blödsinn. Alle unter Ihnen, die über etwas Lebenserfahrung verfügen wissen, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft. Dinge kommen dazwischen oder wie der berühmte Beatle John Lennon einmal sagte:
„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen."
Und so kamen natürlich auch in meinem Leben Dinge dazwischen. Das Auto gab einfach seinen Geist auf, es kam einmal ein weniger guter Monat in meiner Selbstständigkeit, ein Kunde kündigte seine Verträge wieder und so weiter und so fort.
Im Grunde genommen passierte nichts Schlimmes, ich hatte einfach nur zu hohe Grundkosten. Die festen, also die immer wiederkehrenden Ausgaben, das was ich jeden Monat fix ausgab, war einfach zu hoch.
Und deshalb musste das Girokonto in diesen mageren Monaten herhalten. Es wurde überzogen und es fielen Zinsen an. Hohe Zinsen, die zusätzlich zu bezahlen waren.
Viele Selbstständige machen diesen Fehler und verplanen einen zu großen Teil ihres Einkommens für laufende Verpflichtungen, wenn sie ein Unternehmen aufbauen und zum Erfolg führen möchten. Aber es betrifft auch Arbeitnehmer, die am Anfang Ihres beruflichen Werdegangs stehen.
Daher hier nochmals mein Tipp: "Wenn Du anfängst, Geld zu verdienen, dann verplane nur die Hälfte Deines Einkommens für fixe, also immer wiederkehrende Ausgaben.“
Der zweite Punkt ist leichter zu beachten. Ich habe ihn zum ersten Mal in einem Buch von Bodo Schäfer gelesen. Er schrieb, dass man von jeder Gehaltserhöhung nur die Hälfte ausgeben soll und die andere Hälfte soll man nehmen, um seinen Sparbetrag zu erhöhen.
Wenn man also beispielsweise 100 Euro mehr verdient, dann verplant man nur 50 Euro für neue Ausgaben und legt die anderen 50 Euro auf die Seite. Ich finde dieses Vorgehen sehr einleuchtend, denn man hat beides: Mehr Lebensstandard und mehr Geld auf der hohen Kante.
Stellen Sie sich einmal vor, wie viel Geld Sie selbst bereits angespart hätten, wenn Sie diesen Tipp in Ihrem Leben angewandt hätten.
Und nun noch zum letzten Punkt: „Einmalige Ausgaben sind o.k. wenn Du sie bar bezahlen kannst, aber nimm Dich in Acht vor laufenden Fixkosten.“
Ab und zu treffe ich auf Menschen, die zu mir sagen: „Stephan, Du magst ja mit allem Recht haben, was Du sagst, aber bist Du nicht etwas zu sparsam? Geld ausgeben macht doch auch Spaß.“
Ja, die Leute haben Recht. Geld ausgeben kann richtig Laune machen. Ich persönlich gebe auch gerne Geld aus, aber ich achte darauf, dass eine Ausgabe keine laufenden Verpflichtungen für die Zukunft nach sich zieht.
Am liebsten ist es mir sogar, wenn eine Ausgabe meine fixen Kosten in der Zukunft senkt. Dann bin ich noch eher geneigt, die Anschaffung zu machen und freue mich auf die Einsparungen bei den monatlichen Fixkosten.
Machen wir einmal ein paar Beispiele, damit Sie wissen, wie ich es meine. Nehmen wir an, Sie geben dieses Jahr 10.000 Euro für Ihren Traumurlaub aus. Das Geld haben Sie auf einem Tagesgeldkonto. Sie buchen den Urlaub. Dann bezahlen Sie ihn bar und genießen die schönste Zeit des Jahres auf Ihrer einsamen Insel oder wo immer es Sie hinzieht.
Sie kommen zurück, sind gut erholt, fühlen sich wohl und sind wieder voller Kraft und Energie. Zurück bleiben tolle Urlaubsfotos und eine Zeit, an die Sie sich gerne erinnern. Und jetzt kommt es: Wenn Sie nächstes Jahr kein Geld für einen so schönen Urlaub haben, bleiben Sie einfach zuhause und machen sich eine nette Zeit auf ‚Balkonien’. Sie müssen also dieses Geld nicht zwangsläufig jedes Jahr ausgeben.
Ganz anders hingegen ist es bei Ihrem Nachbarn gelaufen. Der hat neidisch mitbekommen, wohin Sie in den Urlaub fahren und hat eine ähnliche Reise gebucht. Weil er aber das Geld dafür nicht angespart hatte, bot ihm sein Reisebüro an, den Urlaub zu finanzieren.
Er buchte den Urlaub und nahm die 10.000 Euro als Kredit mit 7,9% und einer Laufzeit von 24 Monaten bei einer Teilzahlungsbank auf. Die Raten, die er von jetzt ab in den nächsten zwei Jahren Monat für Monat abstottern muss belaufen sich auf ca. 473 Euro. Zusätzlich musste er noch eine Zwangsrisikoversicherung abschließen und eine Vermittlungsgebühr für den Kredit bezahlen.
Tja, das ist blöd, was der Nachbar da gemacht hat. Ziemlich blöd sogar. Nur weil er unbedingt mit Ihnen mithalten wollte, hat er auf ‚dicke Hose’ gemacht und dabei vergessen, dass zwei Jahre abzahlen eine lange Zeit ist, in der viel dazwischen kommen kann.
Außerdem bezahlt er insgesamt 11.352 Euro für seinen Urlaub und damit stolze 13,5% mehr als Sie. Dass Ihr Nachbar die nächsten zwei Jahre auf seinen Urlaub verzichten muss, weil er ja noch am bereits vergangenen Urlaub abbezahlt, ist sowieso klar.
Fazit: Sie können sich alles kaufen, was Sie bar bezahlen können. Von allem anderen lassen Sie einfach die Finger weg.
Ein weiteres Beispiel für eine Anschaffung, die Folgekosten hinter sich herzieht ist ein Handy. Man bekommt Handys oftmals für nur einen Euro.
Zumindest scheinbar, denn gleichzeitig unterschreibt man einen Vertrag, der beispielsweise 48.90 Euro pro Monat für die Telefon- und Internetverbindungsgebühren kostet. In Wirklichkeit ist man also eine Zahlungsverpflichtung über ca. 1.200 Euro eingegangen, die in den nächsten zwei Jahren nach und nach – Monat für Monat – zur Zahlung ansteht.
Mir persönlich sind in solchen Fällen immer Verträge lieber, bei denen ich das Handy ganz normal bezahle. Auch wenn es dann 400 Euro kostet. Und gleichzeitig schließe ich einen Vertrag ab, der keine monatlichen Grundgebühren kostet und bei dem ich die einzelnen Gespräche bezahle, die ich tatsächlich führe.
Das führt dann – zumindest bei mir – dazu, dass ich von unterwegs aus keine E-Mails abrufe und so Kosten spare. Bei jedem Anruf überlege ich automatisch, ob der jetzt wirklich notwendig ist oder nicht.
Meine Handykosten belaufen sich so monatlich auf maximal 5 Euro. Allerdings habe ich auch kein supermodernes Handy, sondern derzeit ein ganz normales Nokia 3720, das bei amazon ca. 90 Euro gekostet hat.
Für mich war die Frage, was ich mit einem Handy tun und erreichen möchte und die Antwort war schlicht und ergreifend: Telefonisch für meine Familie erreichbar sein und Ideen, die ich habe als Sprachnotiz auf das Handy sprechen zu können. Außerdem wollte ich ab und zu etwas fotografieren können und bei Bedarf mal eine Kurznachricht per SMS versenden.
All das klappt mit meinem Gerät ganz wunderbar und die monatlichen Kosten sind äußerst gering.
Fazit: Es ist lohnenswert, sich bei einer Anschaffung nicht zu fragen, was (technisch) alles machbar ist, sondern was man selbst damit erreichen möchte. So wird vieles günstiger und die fixen Kosten bleiben klein.
Um mich vollends unbeliebt zu machen, sprechen wir das Thema Auto auch noch an. Für viele Deutschen ist es geradezu ein Statussymbol. Was wird mein Nachbar sagen, wenn ich mir nur das Auto kaufe, das ich wirklich brauche? Was sagen die Freunde und Bekannten dazu?
Um Gottes Willen, ich verliere meinen Ruf... ;-)
Hier kommt Entwarnung: Sie und ich brauchen niemandem zu imponieren. Schon gar nicht durch ein Auto. Jeder ‚Dummie’ kann sich einen dicken Schlitten leasen und dann an den Raten knabbern.
Zudem denke ich, dass viele Ehen glücklicher wären, wenn manche Männer Ihren Frauen die gleiche Aufmerksamkeit widmen würden, die sie ihren Alufelgen und den Breitreifen schenken.
Viele Kinder wären gesünder, wenn die Väter mehr Geld für qualitativ hochwertige Nahrungsmittel ausgeben würden und sich beim Auto mit einem ein oder zwei Nummern kleineren Modell zufrieden geben. Ist es nicht vollkommen ‚daneben’, sich Speiseöl für 0,70 Euro über den Salat zu kippen und für sein Auto Motorenöl für 40 Euro zu kaufen?
Jemand sagte mal zu mir: „Das teure Öl ist wichtig, so hält der Motor länger.“ Ich antwortete nur: „Kaltgepresstes Speiseöl aus ökologischem Anbau ist auch wichtig, denn dann hält Dein Körper länger.“
Tina und ich fahren einen Renault Kangoo. Er hat eine Klimaanlage, die war uns beiden wichtig. Er hat einen riesigen Kofferraum, der war unserer Hündin wichtig, weil sie sich dann bequem ausbreiten kann. Es ist ein Diesel, das war mir wichtig, weil ich gerne wenig Sprit brauche und das Drehmoment eines Diesels beim Fahren mag.
Wir brauchen einfach kein anderes Auto. Zumindest nicht wirklich. Ich habe alle meine Termine im Büro. Das bedeutet, unsere Klienten kommen zu uns und ich fahre nur ganz, ganz selten in Deutschland umher.
Tina genießt den Wagen bei allen Einkaufsfahrten. Wenn mal etwas zu transportieren ist, klappt es meist ganz wunderbar. Meine Nachbarn grüßen mich übrigens trotzdem freundlich, genauso, wie ich sie auch. Und das obwohl die richtig dicke Autos fahren.
Noch ein ganz wichtiger Zusatztipp, damit es Ihnen auf Dauer gut geht:
Dieser Tipp ist eine der Hauptbegründungen, für die These, dass man seine monatlichen Einnahmen nicht bis zum letzten Euro verplanen soll.
Ein Ausgabeposten, der immer wieder vergessen wird, sind die ‚Rücklagen für Instandhaltungen’. Was hat es damit auf sich?
Jedes Ding, das wir besitzen, geht irgendwann einmal kaputt. Dann muss es wieder neu angeschafft werden. Dafür ist Geld notwendig. Wenn die Summe auf einem Konto bereitsteht, macht es keinen Stress, wenn etwas beschädigt ist. Wenn das Geld aber fehlt, ist es nicht nur lästig, dass etwas defekt ist, es kommen auch noch Geldsorgen dazu.
Wir nennen diese Position ‚Rücklagen für Instandhaltungen’. Sie gehört als fiktiver Posten in jeden persönlichen Finanzplan hinein. Um die Höhe zu ermitteln, können Sie jetzt natürlich jedes Gerät auflisten, das in Ihrem Haushalt ist und dazuschreiben, wann es voraussichtlich kaputt geht und wie teuer die Wiederbeschaffung ist.
Mir ist das zu kompliziert. Ich bilde einfach Rückstellungen in Höhe von 10% dessen, was ich im Monat ausgebe. Wenn Sie also für Ihren Lebensunterhalt monatlich insgesamt 2.500 Euro benötigen, dann legen Sie 250 Euro monatlich auf ein extra Tagesgeldkonto und von diesem Konto bezahlen Sie alles, was repariert und ersetzt werden muss.
Das ist eine recht simple Methode, um mit seinem Geld gut auszukommen. Sie sind vor unerwarteten Überraschungen auf der Ausgabenseite sicher. Nett ist natürlich auch noch, dass Sie mit der Zeit Guthabenszinsen auf Ihrem Tagesgeldkonto bekommen, anstatt teure Sollzinsen für eine finanzierte Anschaffung oder die dadurch bedingte Überziehung des Girokontos bezahlen zu müssen.
Fazit: Man kann im Leben nicht alles planen und voraussagen, aber man kann Vorsorge treffen und sich nach dem Satz richten: Spare bei Zeit, dann hast Du in der Not.
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Erstellt am: 23.08.2011

