1. Nehmen Sie Ihr Schlafproblem selbst in die Hand. Suchen Sie erst
in zweiter Linie die Hilfe anderer und zuallerletzt die eines
Medikaments.
2. Finden Sie heraus, wie viel, wann und unter weichen Bedingungen
Sie wirklich schlafen. Führen Sie vorübergehend ein
"Schlaftagebuch" und bringen Sie dieses bei Ihrem nächsten
Arztbesuch mit. Notieren Sie darin, wann und wie lange Sie nachts
geschlafen haben. Erfassen Sie auch kurze "Nickerchen" während des
Tages, und führen Sie Buch über Ihre körperliche Aktivität. Zählen
Sie aber nie die nicht geschlafenen Stunden.
3. Beziehen Sie eine momentane Leistungsschwäche nicht nur auf die
letzte Nacht. Führen Sie nicht jedes Müdigkeits-‑ oder
Unzufriedenheitsgefühl auf fehlenden Schlaf zurück. Die Ursachen
können völlig andere sein.
4. Bringen Sie Ihren Tag‑Nacht‑Rhythmus in Ordnung. Wer sich
tagsüber schont, weil er müde ist, darf sich nachts über
Schlaflosigkeit nicht wundern. Träumen Sie daher nicht tagsüber von
Ruhe und Schlaf und starren Sie nicht nachts auf die unerfüllten
Aufgaben des Tages.
5. Entdecken Sie Ihren Schlaftyp (Sind Sie Abendschläfer oder
Morgenschläfer?). Handeln Sie entsprechend. Gehen Sie nur dann früh
zu Bett, wenn Sie auch wirklich müde sind.
6. Stehen Sie morgens pünktlich und prompt auf. Nachdämmern löst Ihr
Problem nicht. Ziehen Sie keine Schlafbilanz, es sei denn, Sie
führen gerade ein Schlaftagebuch. Verzichten Sie auf morgendliche
Aufputschmittel. Bringen Sie sich lieber durch Kneipp‑Anwendungen
oder Gymnastik in Schwung. Nehmen Sie mehrmals täglich ein kaltes
Gesichtsbad.
7. Verzichten Sie vor allem darauf, "verlorenen" Schlaf an Sonn‑ und
Feiertagen nachzuholen. Es gibt kein festes "Schlaf‑Soll". Bleiben
Sie also nur so lange im Bett, wie es Ihrem natürlichen
Schlafbedürfnis tatsächlich entspricht. Je mehr Sie unter
Schlaflosigkeit leiden, um so weniger unnütze Zeit sollten Sie im
Bett vertrödeln.
8. Verzichten Sie tagsüber auf kleine "Nickerchen" und möglichst
auch auf den Mittagsschlaf. Schlafen Sie nachts im Bett und nicht
abends im Fernsehsessel.
9. Verändern Sie Ihren Alltag. Reduzieren Sie nach Möglichkeit
Flugreisen oder Schichtdienst. Vermindern Sie beruflichen Stress.
Sorgen Sie trotzdem für eine produktive und soziale Tätigkeit. Der
Tag sollte abwechslungsreich und anregend verlaufen. Denn nicht nur
Überforderung (Stress), sondern auch Unterforderung (Langeweile)
kann zu Schlafstörungen führen. Sorgen Sie tagsüber für ausreichende
Bewegung (Sport, Gartenarbeit, Spaziergänge). Bringen Sie sich nicht
erst abends auf Trab. Ein gemütlicher Spaziergang ist jedoch auch am
Abend sinnvoll. Lassen Sie den Tag ruhig ausklingen und entspannen
Sie sich (zum Beispiel durch beruhigende Musik). Verzichten Sie auf
aufregende Lektüre. Auch Fernsehen und Musikhören im Übermaß kann
den Schlaf stören. Sprechen Sie oder schreiben Sie sich vor dem
Schlafengehen Ihre Sorgen von der Seele.
10. Lüften Sie das Schlafzimmer und schirmen Sie es vor Lärm und
anderen störenden Geräuschen ab. Verbannen Sie störende Zeitgeber
(tickende, stündlich schlagende Uhren) aus Ihrer Nähe und vergessen
Sie, dass es so etwas wie eine Uhrzeit gibt. Leisten Sie sich unter
Umständen doppelt verglaste Fenster oder eine Schlafbrille. Scheuen
Sie sich nicht davor, laute Nachbarn um etwas Ruhe zu bitten.
11. Es gibt Prophezeiungen, die sich selbst erfüllen. Gehen sie
daher nicht von vornherein mit der Erwartung ins Bett, dass Sie auch
diesmal wieder schlecht schlafen werden.
12. Gehen Sie nicht mit vollem Magen ins Bett. Verzichten Sie auf
Schlaf störende Genussmittel wie Tabak, Kaffee, schwer verdauliche
Speisen und Alkohol. Übermäßiger Alkoholgenuss erzwingt zwar das
Einschlafen, er vermindert jedoch den Tiefschlaf (und so dessen
Erholungswert). Versuchen Sie es lieber mit einem warmen Getränk wie
warmer Milch mit Honig, Lindenbluten‑ oder Orangenblütentee. Daraus
können Sie durchaus ein Schlafritual machen.
13. Benutzen Sie Ihr Bett am besten nur zum Schlafen und
missbrauchen Sie es nicht als Sitzgelegenheit zu hier unangebrachtem
Zeitvertreib (z. B. zum Essen, zum Fernsehen). Ihr Schlafzimmer
sollte Ruhe und Entspannung suggerieren.
14. Ärgern Sie sich nicht, wenn Ihnen im Bett ständig Gedanken durch
den Kopf schwirren. Stehen Sie einfach auf und gehen Sie in ein
anderes Zimmer. Dort sollten Sie etwas Entspannendes tun (etwa
lesen). Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich von belastenden
Gedanken abzulenken (etwa indem man vor sich hin zählt oder sich auf
die Atmung konzentriert).
15. Es ist zwecklos, sich dagegen zu wehren, wenn man nachts wach im
Bett liegt. Versuchen Sie, Ihre Einstellung zu ändern und diesen
Zustand als entspannend und erholsam zu betrachten. Er kann es
nämlich durchaus sein.
16. Achten Sie darauf, dass die Schlafunterlage nicht zu weich und
die Bettdecke nicht zu schwer ist. Eine härtere Matratze verbessert
die Schlafmotorik (häufiger Haltungswechsel und dadurch weniger
Rückenbeschwerden). Je wärmer es unter der Bettdecke ist, um so
niedriger muss die Schlafzimmertemperatur sein. Wer im Bett friert,
erwacht häufiger. Wer im Bett schwitzt, schläft unruhig.
17. Wechseln Sie vorübergehend das Schlafzimmer, wenn Ihr Partner
schnarcht oder andere Schlafgewohnheiten hat, die Sie stören. So
seltsam es klingt: Der gute Schlaf des Partners kann für den
schlechter Schlafenden zu einem Ärgernis werden.
18. Falls Sie Medikamente einnehmen: Fragen Sie Ihren Arzt, ob diese
den Schlaf beeinträchtigen können.
19. Erlernen Sie Entspannungstechniken (autogenes Training,
progressive Muskelrelaxation, Biofeedback, Atemgymnastik).
20. Wenn Ihre Nacken- und Nackenmuskulatur verspannt ist, sollten
Sie sich Massagen gönnen.
21. Auch kalte Wadenwickel haben sich bei Schlafstörungen bewährt:
Ziehen Sie dazu ein Paar trockene Baumwollsocken über einem nassen
Paar an.
22. Versuchen Sie es mit einer Trockenbürstung: Bürsten Sie die Haut
an Armen, Beinen und Rumpf so lange, bis sie rot wird. So kann man
sich körperlich umstimmen und das Einschlafen erleichtern.
23. Behandeln Sie sich nicht selbst mit Schlafmitteln ‑auch wenn sie
anderen angeblich "gut geholfen" haben. Lassen Sie sich diese
notfalls verordnen.
24. Stellen Sie Schlaftabletten nur als "Rettungsanker" für
"Notfälle" auf den Nachttisch. Versuchen Sie, möglichst ohne diese
auszukommen.
25. Überlisten Sie sich selbst: Machen Sie, solange Sie Schlafmittel
einnehmen, abends ein warmes Fußbad. Wenn Sie nach einiger Zeit das
Schlafmittel weglassen, übernimmt häufig das Fußbad die Wirkung des
Schlafmittels.
26. Setzen Sie das Schlafmittel möglichst am Wochenende ab.
Vielleicht ist dann die Sorge geringer, dass Sie am nächsten Morgen
weniger leistungsfähig sein könnten.
27. Vergessen Sie schließlich eines nicht: Der Schlaf ist wie eine
Taube. Wenn man die Hand ruhig ausstreckt, kommt Sie herbei und
lässt sich darauf nieder. Wenn man aber nach ihr greifen will,
fliegt sie davon (nach Paul Dubois).
Quelle:
http://www.dr-mueck.de
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