simplify-G€ld zeigt die Nebenwirkungen des Geizes
Geiz ist geil, behauptet der Einzelhändler Saturn. Aus der Werbung
ist mittlerweile eine Philosophie für viele geworden. Geiz
ist Geil? Was für ein Quatsch, ereiferte sich neulich ein
simplify-G€ld-Leser. Geiz ist alles, aber nicht geil, wo
Geilheit doch eher für Freude steht und dem Geizigen gerade
das abgeht. Geiz hat Nebenwirkungen, behaupte ich. Und das
nicht zu knapp!
Geiz macht arm
Clever einkaufen ist eine Sache, Angebote vergleichen auch, aber
krampfhaft und ohne Not, eben geizig Euro und Cent zusammen
zu halten, das macht arm. Warum? Weil es die Lebensfreude
nimmt, es nimmt den Spaß daran, Geld auszugeben, uns das
Leben dadurch zu verschönern, dass wir uns etwas gönnen
können, uns zu belohnen verstehen und auch mit Geld das
Leben schön und simplify zu machen. Geld ist nicht alles,
aber es auszugeben, kann ein schöner Bestandteil des Lebens
sein.
Der Anti-Geiz-Tipp: Verhandeln Sie geschickt, wenn es drauf ankommt
und vergleichen Sie Preise, wenn es sich wirklich lohnt.
Beim kauf eines neuen Autos macht ein Rabatt Sinn, weil die
Ersparnis einige 1.000 Euro betragen kann. Beim neuen
Rasierer für 70 Euro hingegen steht der Zeitaufwand für das
Verhandeln und Vergleichen oft in keiner Relation zur
Ersparnis von 3 oder 4 Euro.
Geiz verblendet
Ganz nüchtern betrachtet, ist Geiz manchmal schlichtweg
unvernünftig, denn er versperrt den Blick auf das
Wesentliche. Das zeigen gerade die Angebote von Saturn und
anderen Händlern, die offensiv werben und an Geiz und
Sparsamkeit appellieren. Denn mit ein paar Mausklicks im
Internet lässt sich zum Beispiel viel mehr sparen als mit
den „Geiz-ist-geil“-Schnäppchen. Geile Angebote sind eben
nicht unbedingt die günstigsten!
Der Anti-Geiz-Tipp: Fallen Sie schlichtweg nicht auf die
Lockvogel-Angebote rein, ansonsten werden Sie das Opfer
Ihres eigenen Geizes. Wenn Sie wirklich darauf Wert legen,
günstig einzukaufen, hilft meist ein Blick ins Internet für
die günstigsten Angebote. Versuchen Sie es doch einmal unter
www.guenstiger.de)
Geiz macht Mühe!
Der englische Sozialreformer John Ruskin hat es schon im 19.
Jahrhundert auf den Punkt gebracht: „Es gibt kaum etwas auf
dieser Welt, das nicht irgend jemand etwas billiger
verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis
orientieren, werden die gerechte Beute solcher
Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es
ist noch viel schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu
viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn
Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles,
da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht
erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für
wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste
Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen,
etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie
auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“ Und
genau so ist es auch heute: Wer einen billigen Computer in
einem der Mega-Kaufhäuser kauft, der zahlt sicherlich
weniger als beim kleinen Händler an der Ecke. Aber was ist
mit dem Aufwand, wenn das Gerät nicht läuft wie gedacht oder
wenn Sie es nicht angeschlossen bekommen? Dann zahlen Sie
bei den meisten kleineren Händlern den höheren Preis eben
auch für den Service, der Ihnen meist zuteil wird. Und
überlegen Sie sich gut, ob Sie daran wirklich sparen wollen!
Der Anti-Geiz-Tipp: Gucken Sie nicht nur auf den Preis, sondern
vergleichen Sie auch Service und Kundendienst miteinander.
Nur so kaufen Sie wirklich clever!
Geiz kommt zurück
Die Unternehmen, die heute an Ihren Geiz appellieren, denken dabei
weniger an Ihren Vorteil, sondern an den eigenen. Denn
solche Geiz- und Niedrigpreis –Offensiven sind meist
Bestandteil eines Verdrängungswettbewerbes, der sich in
vielen Branchen abspielt. Mit Dumping-Preisen werden Händler
aus dem Markt geworfen, die diesen Poreiskampf nicht
mitmachen wollen oder können. Das Problem für die Kunden:
irgendwann sind keine Konkurrenten mehr da, der Markt ist
tot und dann gibt es keine Preise mehr, die über Angebot und
Nachfrage bestimmt werden. Dann kann der Überlebende des
Preiskampfes die Preise selber bestimmen. Und dann zahlen
alle Verbraucher morgen die Zeche für den Geiz gestern.
Der Anti-Geiz-Tipp: Unterstützen Sie einmal ganz bewusst kleinere
Händler in Ihrer Nähe. Sie werden mit dem guten Gefühl Geld
ausgeben, etwas für sich selbst getan zu haben, indem Sie
einen fairen Wettbewerb unterstützen.
Geiz macht einsam
Ist es Ihnen schon einmal aufgefallen? Geizige werden nicht gern
gesehen: Sie gelten oft als unglaubwürdige Angeber, weil sie
mit ihren Geschichten von toll ausgehandelten Sonderpreisen
und unglaublich geschickt verhandelten Extra-Rabatten
protzen. Und Sie gelten eben als Pfennigfuchser, dem es
immer nur ums Geld geht und dem der Sinn für andere Sachen
abgeht. Und so kann Geiz einsam machen, wenn man damit
seinen Mitmenschen auf die Nerven geht, die sich abwenden.
Der Anti-Geiz-Tipp: Wenn Sie solche Geiz-Protzer im Freundes- oder
Bekanntenkreis haben, dann steuern Sie bewusst gegen. Machen
Sie klar, dass es Ihnen im Leben nicht immer nur darum geht,
möglichst billig weg zu kommen. Und erklären Sie, warum z.B.
Spenden allem Geiz zum Trotz reicher macht als ein 5%-Rabatt
bei der neuen Waschmaschine.