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Überschuldung privater
Haushalte steigt / 926 Verbraucherberatungen dazu in einem Jahr
vom 18.10.2005 (Quelle
http://www.main-spitze.de)
Man liest es immer wieder in der Zeitung und sieht es in Statistiken: Neben
Firmen verschulden sich auch Privathaushalte immer häufiger über ihre
Verhältnisse. Im vergangenen Jahr gab es allein deshalb in der
Verbraucherberatungsstelle Rüsselsheim 926 Kontaktaufnahmen. Von Petra
Teusch.
Für manchen der Betroffenen bleibt nur der steinige Weg, ein
Verbraucher-Insolvenzverfahren zu beantragen. Doch was sind die Gründe für diese
Verschuldung, die manchmal lange unentdeckt bleibt, weil immer neue
Schlupflöcher gesucht werden, die andere "Finanzlöcher" stopfen sollen?
"Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum Menschen in die Schuldenfalle
geraten", erzählt Sabine Roth, die Leiterin der Verbraucherberatungsstelle in
Rüsselsheim. Und wichtig sei ihr, dass diese Menschen nicht pauschal für ihre
Lage verurteilt werden, nach dem Motto "Verschuldet? - Selbst schuld!"
Denn "häufig geraten Menschen ganz plötzlich in Finanznöte, etwa wenn ein Haus
finanziert wird und das Paar sich scheiden lässt oder einer von ihnen die Arbeit
verliert, wenn eine ernsthafte Erkrankung den Menschen arbeitsunfähig macht oder
andere Ereignisse eintreten, die den Finanzhaushalt auf den Kopf stellen oder
den Schuldendienst nicht mehr gewährleisten", beschreibt Roth Situationen, die
oft niemand voraussehen kann. Manche Menschen erkennen recht schnell ihre Lage
und suchen die Verbraucherberatung auf, um das Schlimmste abzuwenden oder
Beistand zu erhalten.
Den haben viele Schuldner bitter nötig. Denn der Stress für die Betroffenen ist
oft groß, wenn erst der Mahnbescheid, dann der Vollstreckungsbescheid kommt und
schließlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht oder die Bank die Konten
kündigt. Doch manchmal bleibt nichts anderes übrig, als diese zwangsläufige
Abfolge an Regularien über sich ergehen zu lassen. Dann versucht Roth immer
wieder, die Strategie vor Augen zu führen, die sie gemeinsam mit den Schuldnern
erarbeitet hat. Nicht immer kann gleich eine Einigung mit den Gläubigern erzielt
werden. "Natürlich versuche ich, für beide Seiten einen Ausweg zu finden, auch
wenn der Schuldner in dem Sinne mein Kunde ist", zeigt Roth Verständnis für die
andere Seite. Manchmal muss sie dafür auch mit dem Schuldner "Klartext reden"
und ohne seine aktive Mitarbeit kann keine Lösung gefunden werden.
Das bedeutet für manchen, erst einmal zu lernen, wie ein Haushaltsbuch zu
führen ist. "Gerade wenn das Geld knapp ist, muss streng gewirtschaftet werden,
wie in jedem Betrieb auch", macht Roth deutlich. Das erfordert zuweilen
große Disziplin, gerade in einer Zeit, in der es immer einfacher wird, Schulden
zu machen. Am meisten plagen sich die Angestellten der
Verbraucherberatungsstelle zurzeit mit undurchsichtigen Handyverträgen und
Internetangeboten. Diese stellten eine große Schuldenfalle dar. Davon betroffen
seien gerade Jugendliche, bei denen die Gefahr der Überschuldung zugenommen
habe. Bedrückend sei für Menschen auch die Erkenntnis, einem Betrüger auf den
Leim gegangen zu sein oder in ihrer Unerfahrenheit die Folgen ihres Handels
falsch eingeschätzt zu haben. So hätten viele in den vergangenen Jahren ihr Geld
verloren, weil sie es in Anlagen investiert haben, die ihnen herbe Verluste
einbrachten. Manchen von ihnen falle es nicht leicht, sich ihre Lage
einzugestehen. Dieser Personenkreis komme erst in die Beratung, wenn sich schon
ein Berg von Forderungen angehäuft habe.
Dann müsse erst einmal geprüft werden, ob Ansprüche gerechtfertigt und welche am
dringlichsten zu erfüllen seien, beschreibt Roth ihre anspruchsvolle Tätigkeit,
die fundiertes Rechtswissen voraussetzt. Eng arbeitet sie auch mit der Jugend-
und Drogenberatungsstelle und der Allgemeinen Lebensberatung zusammen, die die
psychosoziale Unterstützung übernehmen. Vor allem bei Menschen mit
Suchtproblemen steht diese Art von Beratung im Vordergrund. Doch auch andere
leiden schwer unter ihrem Schuldenberg, der ihre Existenzgrundlage in Frage
stellt. Das merkt Roth manchmal schon bei der Begrüßung an schweißnassen
Händen.
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