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Dieses Buch entstand, als wir unseren Leserinnen und Lesern unseres
Finanzplan-Newsletters folgende Bitte vorgetragen hatten: Schreiben Sie uns doch bitte einmal, was Sie Menschen in Geldfragen raten würden, also beispielsweise: Was würden Sie bei Finanzdingen anders machen, wenn Sie nochmal 20 Jahre jung wären? Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie mit Finanzinstituten gemacht? Wobei haben Sie (viel) Geld verloren? Wovon raten Sie anderen Menschen dringend ab? Aber auch: Was war bisher Ihre allerbeste, finanzielle Entscheidung in Ihrem Leben? |
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P.S. Das Buch 'Finanzgeschichten' enthält einen Gutschein für die Finanzplan Demo-CD im Wert von 12,00 Euro. |
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Hier finden Sie eine Leseprobe aus dem Buch 'Finanzgeschichten': |
Meine Eckdaten sind: 36 Jahre jung, verheiratet, ein Kind, lebend in Karlsruhe.
Mein Leben hatte viele Kurven, mal schöne, mal extrem knappe Kurven, aber diese sollen ja bekanntlich die Würze des Lebens sein.
Gut, dann war mein Leben bisher ziemlich würzig. Aber sei es drum, ich habe für mich erkennen können, was ich wirklich will und es systematisch geschafft, meinen Träumen zu folgen.
Heute arbeite ich als Coach und Trainer für eine Bank und begleite viele Menschen dabei, sich das Leben nicht "versalzen" zu lassen, sondern die Würze als etwas Normales anzunehmen und sich dann sogar das Leben so würzen zu dürfen, wie sie es mögen.
Veränderungsprozesse sind das. Diese richtig angefasst können in großer Zufriedenheit und Gelassenheit enden.
Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie mit Finanzinstituten gemacht?
Ich war 19 Jahre alt. Ein junger Mann, der gerade sein Abitur bestanden hatte und überhaupt nicht wusste, was er nun mit seinem Leben genau tun wollte.
Bevor ich noch wusste, was geschah, war ich gefangen in den Fängen des Strukturvertriebes, welcher mich binnen weniger Wochen zu einem naiven Selbständigen machte.
Es machte Spaß, ich hatte Erfolge, ich war gut in dem, was ich tat, aber ich verdiente nicht so viel Geld, wie meine Bosse mir immer weismachten.
Langsam aber sicher verschuldete ich mich. Und umso höher ich in der Struktur kam, desto mehr Einblick hatte ich in die finanziellen Angelegenheiten meiner „Vorbilder“ und bemerkte, dass diese eigentlich auch Pleite waren, noch mehr als ich, aber trotzdem so taten, als seien sie vermögend.
Ich brauchte Jahre, um mich da wieder heraus zu holen, schaffte es aber mit 24 Jahren mit dem Ergebnis, um wahnsinnige Erfahrungen reicher zu sein, aber pleite!
Was sollte ich nun tun? Meine Schulden beliefen sich mit Zinsen auf insgesamt 60.000 DM!
Ich hatte keine Berufsausbildung gemacht und konnte nicht ohne weiteres einen gut bezahlten Job annehmen. Und das Geld drückte an allen Ecken und Kanten.
Ich wohnte damals noch bei meinem Stiefvater, der mir Unterstützung und Orientierung bot und mich durch diese schweren Jahre begleitete.
Dann vertraute ich mich einem Schuldnerberater an, welcher mir in die Augen schaute und sagte: „Junge, Du bist noch so jung und die 60.000 DM sind „Peanuts“ im Vergleich zu anderen, die hier mit Millionenschulden auftauchen, arbeiten gehen und nie davon runterkommen werden.
Such Dir erst mal einen Job, damit Du anfangen kannst, Deine Schulden zurückzuzahlen. Dann schreibst Du alle an und vereinbarst Ratenzahlungen mit denen, und dann... machst Du Dir mal ausgiebig Gedanken darüber, was du eigentlich WIRKLICH WILLST in Deinem Leben.
GENAU DAS tust Du dann und Deine Schulden wirst Du nebenbei begleichen. Glaub mir, Du schaffst das!“
Ich fing an, mir kleinere Jobs zu besorgen, mit welchen ich monatlich mal 1.000 DM, mal 800 DM verdienen konnte. Nicht viel, aber besser als nichts zu tun und zu Hause abzuhängen.
Dann machte ich mir eine Aufstellung aller meiner Schulden: Wie viel? Wofür? Bei wem? Es handelte sich um mehrere kleine Beträge wie z.B. meine Notebooktasche für 160 DM, mein Notebook für 1.000 DM, mein vorzeitig gekündigter Handyvertrag mit 800 DM, Krankenversicherung mit 2.500 DM. Die großen Brocken waren meine Autofinanzierung mit 5.000 DM, Schulden auf der Kreditkarte mit 1.600 DM, der Strukturvertrieb, der meine Gelder trotz Anwalt und Klagen nicht auszahlte und mir im Endeffekt ein Minuskonto einrichtete mit 5.000 DM. Der größte Brocken war die Bank, welche mir ohne irgendwelche Sicherheiten einen großzügigen Dispositionskreditrahmen von 20.000 DM einrichtete und mich diesen auch noch überziehen ließ.
Die Zinsen wurden von Monat zu Monat mehr.
An alle Gläubiger schrieb ich einen Brief. In diesem schilderte ich ehrlich meine Lage, dass ich keinerlei Gelder habe, ich aber trotzdem eine Ratenzahlung nach meinen Möglichkeiten beginnen möchte, um zu signalisieren, dass ich meine Schulden begleichen möchte. Und das wollte ich wirklich.
Allen bot ich kleinste Raten an zwischen 15 und 100DM. Fast alle nahmen das an und nur der Strukturvertrieb drückte mir einen Vollstreckungstitel in mein Leben, aber durch die Ratenzahlungs-angebote musste ich keine Eidesstattliche Versicherung ablegen, was damals meine größte Sorge war.
Wie viel? 1.000 DM 1.600 DM
Wofür? Notebook Kreditkarte
Bei wem? Firma X Firma Y
Ratenzahlung vereinbart? Ja Ja
Höhe? 25 DM 45 DM
Wie viele Raten? 40 36
Fertig bis? Mai 1995 Jan 1995
Aktueller Stand ? 920 DM 1.555 DM
So sah meine Rückzahlungsliste aus und diese bot mir genau den Überblick, den ich brauchte.
Den aktuellen Stand in der letzten Spalte schrieb ich mit Bleistift und konnte mich daran erfreuen, wie viel ich schon getan habe.
Zu jedem Monatsanfang holte ich mein gesamtes verfügbares Geld von der Bank ab und legte es zusammen mit einem Stapel Überweisungsscheine auf meinen Schreibtisch.
Dann füllte ich die Überweisungsträger mit den Empfängerdaten aus, ließ aber die Beträge noch frei. Zusammen mit meiner Liste verteilte ich mein Bargeld so gut es ging unter allen Empfängern.
Manchen Monat bekam ich nicht das ganze Geld zusammen und trotzdem machte ich dann halt eine Überweisung von vielleicht nur 5 DM. Hauptsache der Gläubiger sah, dass ich bereit war, meine Verbindlichkeiten zu begleichen.
Eventuell rief ich den Gläubiger an oder schrieb ihm einen Brief, dass es in diesem Monat sehr knapp ist, aber ich auch wieder mehr einzahlen werde.
Dann konnte ich die Beträge in die Überweisungsträger eintragen und ging mit meinem Bargeld wieder zur Bank, zahlte das ein, was ich überweisen konnte und vom kläglichen Rest hielt ich einfach den Monat durch.
Die ständige und offene Kommunikation mit den Gläubigern war eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen. Und so konnte ich all die kleinen Beträge nach und nach abbezahlen.
Die großen Brocken waren schwierig. Allein die Verhandlungen mit der Bank zogen sich über Jahre hinweg hin und kosteten mich viel Kraft, Angst und damals auch Tränen.
Aber auch da sagte jemand zu mir: „Die haben das Geld schon längst abgeschrieben und die leben von Leuten wie Dir und Deinen Zinsen. Mach Dir keinen Kopf darum, denn niemand kann Dir wegen Geld einen Finger, die Hand, ein Ohr oder Deine Füße abhacken. Es ist nur Geld und mehr nicht!“
Dass man mir kein körperliches Leid antun konnte, beruhigte mich schon und dennoch drückte es. Ich konnte mit der Bank eine Anfangsrate von 50 DM vereinbaren. Lächerlich, aber den guten Willen zeigen hieß es.
Dann begann ich mein Studium und sie bedrängten mich immer und immer wieder, und ich musste eh viel neben meinem Studium arbeiten, um es überhaupt finanzieren zu können.
Da es sich um ein internationales Studium handelte, und ich langsam die Nase voll von dem Druck hatte, den die Bank erzeugte in einer Phase, wo ich mich doch vernünftig auf die Beine stellen wollte, beschloss ich, den Druck nicht mehr hinzunehmen und wehrte mich. Ich machte der Bank klar, dass ich durchaus mehrere Möglichkeiten hätte, mit ihnen zu verfahren.
Punkt 1: Ich beende das Studium und werde arbeitslos, ein Hilfsarbeiter und dann würden sie nie ihr Geld sehen.
Punkt 2: Zu meinem Studium gehörte ein Auslandsjahr und ich wünsche ihnen viel Spaß, mich im Ausland suchen zu wollen. So bekommen sie keinen Pfennig, und ich kann meinen Auslandsaufenthalt jederzeit verlängern.
Punkt 3: Ich nehme das Gefühl nicht mehr an, dass ich ein erbärmlicher Schuldner sei, denn schließlich hat ein ihnen unterstellter Filialleiter mir einfach ohne jegliche Sicherheiten einen solch hohen Betrag ermöglicht, einem jungen Menschen von damals Anfang 20, der keine Ahnung vom Geld hatte.
DAS war verantwortungslos. Und schließlich haben sie das Geld bereits steuerlich abgeschrieben, daraufhin weniger Steuern gezahlt und am Ende damit noch einen Gewinn verbucht. So habe ich mir die Bank einige Jahre auf Abstand gehalten, weil sie mich emotional nicht mehr unter Druck setzen konnten.
Sicherlich haben sie sich regelmäßig mein Einkommen aufzeigen lassen, was auch deren Recht war. Als ich dann Aussicht hatte gut zu verdienen, habe ich wie ein Irrer um einen Vergleich gekämpft und sage und schreibe nur 7.190 Euro zurückgezahlt!
Als ich den Vertrag unterschrieb fragte ich, wo die Kreditabteilung sei, denn ein so gutes Geschäft würde ich gern nochmals abschließen. Seitdem habe ich Hausverbot....
Drei Jahre später war meine Schufa auch endlich sauber und ich frei. Es hat mich circa 8 Jahre gekostet, bis alles vorbei und erledigt war.
Mein Verhältnis zu Geld hat sich seitdem sehr verändert. Ich habe erst seit circa 4 Jahren wieder eine EC-Karte und erst seit einem Monat eine Kreditkarte.
Mittlerweile verfüge ich auch wieder über hohe Dispositionslinien, aber weil ich mich auch in eine sehr gute Einkommensklasse vorgearbeitet habe.
Mein Respekt vor Geld ist uneingeschränkt vorhanden. Wer einmal richtige Existenzängste hatte und kaum noch schlafen konnte vor lauter Sorgen, wer sein Auto zurückgeben musste und plötzlich ohne alles dastand, kann das nachvollziehen.
Ich halte mit Vehemenz die monatlichen Dauerverpflichtungen auf einem Minimum, weil ich weiß, wie schwer es ist, aus Verträgen in Zeiten von Geldnot auszusteigen.
Nach wie vor habe ich Listen, um meinen Überblick zu haben. Und über eine Art „Listensuche“ im Internet bin ich auch auf den Finanzplan gestoßen, mit welchem ich meine „Listen und Übersichten“ professionell in einer Excel-Tabelle führen kann.
Geldsorgen machen den einen krank und den anderen reif. Ich bin reif geworden, heute 36 Jahre alt und habe damals die Aussage des Schuldnerberaters sehr ernst genommen, dass ich mir Gedanken machen soll, was ich WIRKLICH WILL.
Beruflich habe ich mich bereits in der Form verwirklicht, als dass ich meiner Berufung folgte und heute meinen Traumjob ausübe, in dessen Qualifikation ich viel Geld investierte. Das zahlt sich nun aus. Kommenden Monat beginne ich ein Masterstudium, welches ich mir auch nur leisten kann, weil ich Rücklagen bilden konnte und weil ich eine saubere Schufa habe und eine gute Bonität.
Und drei Mal dürfen Sie raten, für welche Branche ich mittlerweile arbeite ... für eine Bank!
Ihr R. L.
Erstellt am: 18.08.2009
