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Mehr Zeit für die Familie...


Zeit ist in der Familie ein knappes Gut. Familiäre Zeitknappheit entsteht durch veränderte Einstellungen von Eltern zu ihren Kindern, durch ihre verstärkte Erwerbstätigkeit und durch die gesellschaftlichen Anforderungen an die Familien.

München (san). An den Feiertagen zum Jahresende haben viele Familien endlich Zeit für einander. Wie kommt es eigentlich, dass sich das in einigen Ohren eher wie eine Drohung anhört? Die ersten 24 Stunden dieser Ausnahmesituation laufen meist noch ganz harmonisch ab. Dann wird es entweder langweilig oder der freie Zeit- Raum wird zum Schauplatz für Auseinandersetzungen. Außerdem würde die 16-Jährige Tochter doch lieber mit ihren Freunden zusammen sein, Papa am liebsten im Büro nach dem Rechten sehen oder die Steuererklärung in Angriff nehmen und Mama endlich mal abends nicht am Computer arbeiten und in Ruhe ihren Roman lesen, aber die Großeltern reisen ja auch noch an. Wird dann wirklich Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt?

Der deutsche Durchschnittsbürger verbringt im Laufe seines Lebens ganze neun Monate mit seinen Kindern, meint das Deutsche Jugendinstitut. Genauso viel Zeit koste ihn sein Weg zur Arbeit. Eine traurige Gleichung? Besonders zum Jahreswechsel werde das familiäre Beisammensein verstärkt in den Blick genommen. Wie viel Zeit verbringen Familien miteinander? Und wie verbringen sie diese? Könnte das neue Forschungsfeld der Zeitpolitik das Spannungsverhältnis zwischen Familie und Beruf auflockern? Das Deutsche Jugendinstitut hat auf diese und andere Fragen Antworten gefunden und im Internet veröffentlicht.

Zeit und Familie, das ist eine Begriffskombination, die mit vielen Fragezeichen versehen ist: Verbringen Familien heute mehr oder weniger Zeit miteinander als früher? Was wünschen sich eigentlich die einzelnen Familienmitglieder? Und wie verbringen sie die knapp bemessenen gemeinsamen Stunden? Wird geredet oder sitzen alle vor dem Fernseher, jeweils im eigenen Zimmer? Black Box "Familien-Zeit": über sie gibt es nur wenig Forschungsmaterial. Zahlen, Daten und Fakten, die vorhanden sind, stellen wir auszugsweise in "Auf einen Blick" vor.

Dass Zeit nur eine Illusion ist, diese These wollen wir im Einstein- Jahr den Physikern überlassen. Aber ob die oft beschworene Zeitknappheit nur eingebildet oder hausgemacht ist, diese Frage beantwortet Doktor Karin Jurczyk, Leiterin der Abteilung Familie und Familienpolitik am Deutschen Jugendinstitut, im "Interview". Sie weist darauf hin, dass niemals nur ein Faktor allein zu Zeitknappheit führt, sondern vielmehr das Zusammenwirken vieler Einflüsse: veränderte Einstellungen von Eltern, ihre verstärkte Erwerbstätigkeit, die gesellschaftlichen Erwartungen an Familien und die vielen unterschiedlichen zeitlichen "Taktgeber", auf die Familien keinen direkten Einfluss haben, die aber ihren Alltag mehr oder weniger stark bestimmen. Diese zeitlichen Rahmenbedingungen werden in "Auf einen Blick" ebenfalls zusammengefasst.

Zeit und Familie werden dann besonders kritisch, wenn sich zu den beiden Begriffen noch ein dritter gesellt: Zeit, Familie und Beruf. Dieses Dreieck birgt eine Menge Sprengstoff in sich. Eine moderne Vereinbarkeitspolitik könnte hier für Entspannung sorgen. Welch komplexen Anforderungen diese gerecht werden müsste, beschreibt Professor Ulrich Mückenberger von der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik im "Blick von außen".

Hinweise zu Literatur über Zeitkonflikte in Familien, Netzverbindungen zu internationalen Zeitprojekten und einer Veranstaltung mit dem Titel "Keine Zeit für Beziehungen?", die jüngst in Berlin stattfand, runden die Dezemberausgabe ab.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut
 



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