Lebenswerte Friedrich sitzt in seinem holzgetäfelten Arbeitszimmer. Sein Blick schweift von seinem bordeaux farbigen Ledersessel über den antiken massiven Schreibtisch hinaus auf sein Anwesen, das sanft in die Landschaft der Provence eingebettet liegt. Seine Sekretärin hat ihm, wie immer, alle wichtigen Termine und Unterlagen bereit gelegt. Routiniert sieht sich Fridrich alles Schriftliche durch. Es ist sehr ruhig in der großen Villa. Nur eingeladene Geschäftspartner oder Gäste beleben das Anwesen. Friedrich leitet das Unternehmen zuweilen auch von zuhause aus. Sein Sohn Manfred und die angehende Schwiegertochter führen die Firma mit und sind am Unternehmensstandort am Stadtrand tätig. Friedrich ist mit seinem Leben im großen Ganzen eigentlich zufrieden. Doch mit zunehmenden Alter steigt in dem fest im Geschäftsleben verankerten Mann das Bedürfnis etwas Besonderes und etwas für sich tun zu wollen. Es ist 11.00Uhr, Zeit für die wöchentliche Besprechung mit Manfred, der mit dem Wagen die Einfahrt hochgefahren kommt. Seine Verlobte Ariella begleitet ihn. Sie ist nicht Friedrichs „erste Wahl“ als Schwiegertochter. Seiner Meinung nach ist sie am Familienvermögen genauso interessiert wie an Manfred, wenn man es freundlich formulieren möchte. Das geht ihm als Vater schon sehr nahe. Ariella hat sein Angebot, in einen Teil der Villa zu ziehen, wenn sie und Manfred eine Familie gegründet haben, schnell abgelehnt. Dabei würde sich Friedrich sehr über Kinder im Haus freuen. Friedrich weiß sehr wohl, dass die Leute, die sich um ihn tummeln, oft nur an seinem seriösen Image, seinem materiellen Wohlstand und einfach an den leckeren Buffets in seinem Haus interessiert sind, statt an ihm. Er lebt diese Seite seines Lebens mit wachem Verstand. Es klopft an der Tür. „Monsieur, ihr Sohn ist da.“ „Danke, ich erwarte ihn schon.“ Manfred und Ariella, die wie meist etwas kühl wirkt, setzen sich an den Besprechungstisch. In kurzer Zeit sind alle Tagespunkte geklärt. Heute ist es einfach soweit, dass Friedrich über seinen Plan spricht. Er sieht die Beiden eindringlich an. „Also, ich habe viel nachgedacht und möchte meinem Herz folgen. Ich empfinde große Zufriedenheit über meine Lebensumstände. Eine Postsendung einer Spendenorganisation hat mich auf die Idee gebracht, mein Anwesen hier einer Organisation als Kur und Pflegeheim für Kinder zu stiften. Ich werde ins Gästehaus ziehen, das ist mir groß genug. Mein Herz geht allein schon bei der Vorstellung, Kinder glücklich und gesund leben zu sehen, unendlich weit auf. Ich möchte Freude schenken. Das gibt meinem Leben noch einmal eine ganz neue Richtung. Ich hoffe, ihr könnt meine Entscheidung respektieren, falls sie euch, sein Blick begegnet wie zufällig Ariellas erstarrte Miene, nicht genauso anspricht wie mich. Das Wertvollste an meinem Reichtum ist die Dankbarkeit, mit der ich ihm besitze und die Freiheit von Herzen etwas davon verschenken zu können.“ Manfred hat mit offenem Mund zugehört und bringt seinen ehrlichen Respekt über die Werte, die sein Vater ihm immer und immer wieder vorlebt, zum Ausdruck. Ariella dagegen kann ihr Entsetzen kaum verbergen. Ihr wahres Gesicht in dem Augenblick sehr deutlich präsent und entgeht auch Manfred nicht. Es ist jetzt an ihm zu entscheiden, mit welchen Menschen an seiner Seite er das Unternehmen führen und seinen Lebensweg begleitet haben möchte. Ist es die Freiheit etwas dankbar zu besitzen und von Herzen zu teilen zu können? Was jemand wirklich ist, kommt irgendwann zu Tage. |
Erstellt am: 16.12.2010
