Ein Wake Up Call In einem kleineren Dorf an der niederländischen Grenze lebt Henry, ein Geschäftsmann mit kleinem aber feinem Unternehmen in der Softwarebranche. Die Mühen ein eigenes Geschäft zu führen, sind an ihm die letzten Jahre nicht spurlos vorüber gegangen. Seine Geschäftsergebnisse sind gut. Er lebt in kleinem Luxus mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen davon. Sein Alltag ist oft von stressbedingten Stimmungsschwankungen, körperlichen Missempfindungen und Beziehungstälern begleitet. Es ist ein verregneter Novembernachmittag als er mit seinem Wagen die Geschäftspost in den Dorfmarkt auf die Poststelle fährt. Ein Herbststurm fegt durch die Dorfstraße, die Regentropfen prasseln nur so gegen die Windschutzscheibe und das bunte Laub bedeckt die Gehwege. Die Windschutzscheibe ist von innen beschlagen und Henry beugt sich vor, um sich mit dem Jackenärmel freie Sicht zu verschaffen. Das war für seinen vom langen Sitzen belastete Wirbelsäule die falsche Bewegung und ein jäher stechender Schmerz durchfährt seine Kehrseite. Ihm bleibt nur seinen Wagen rasch zu stoppen und am Straßenrand zu parken. Flach atmend und fluchend versucht er sich zu entspannen. Ziemlich miese Gedanken füllen sein Gemüt. Der Regen, seine angeschlagene Gesundheit, der Disput mit seiner Frau am Morgen machen ihm reichlich zu schaffen. Am liebsten würde er manchmal alles hinwerfen, aber die üblichen finanziellen Verpflichtungen lassen dies nicht zu. Jetzt grade ist wieder so ein Moment. Am liebsten wäre ihm, seine Alltagssorgen könnten sich in Luft auflösen und ihn in Ruhe lassen. Im Handschuhfach findet er noch eine Schmerztablette und das Stechen wird in ein paar Minuten erträglicher. Er lässt den Motor seines Wagens wieder an und fährt weiter. Gleich nach der nächsten Abzweigung parkt ein Fahrzeug am anderen die ganze Straße hoch bis zur Dorfkirche. So viele parkende Autos sind für den kleinen Ort sehr ungewöhnlich. Er denkt sich noch nichts Besonderes dabei, es könnte ja auch an einem Werktag eine christliche Extraveranstaltung stattfinden- oder doch eine Beerdigung. Bis fast vor den Dorfmarkt reicht die Wagenschlange. Dort steigt Henry mit schmerzendem Rücken vorsichtig aus seinem Wagen aus und kann es sich nicht verkneifen, die Verkäuferin nach dem Ereignis an dem sich das halbe Dorf zu beteiligen scheint zu fragen. Sie sieht ihn mit großen Augen an und sagt: „ Es handelt sich um den tragischen Todesfall vom Wochenende von einem Herrn Palmer, der beim Tennisturnier auf dem Platz verunglückt ist“. Henry stockt der Atem bei dem Namen, den sie genannt hat. Er würde an der Ostseite des Dorfes mit seiner Familie gewohnt haben und etwa in seinem Alter sein. Das kann wohl nicht sein. Er fragt nochmal nach dem ganzen Namen und sie bejaht „George Palmer“. George war sein zweitbester Schulfreund und Tenniskumpel gewesen. Wie kann so etwas möglich sein? Durch unterschiedliche berufliche Richtungen hatten sie sich schon lange nicht mehr getroffen. Er hat George immer für seine Souveränität im Leben bewundert, jetzt war er tödlich verunglückt. Henry versteht schlagartig, welches Geschenk dieses Leben mit all seinen Anforderungen ist. Er empfindet tiefe Dankbarkeit für seine Existenz und schämt sich für sein Unzufrieden sein, seine schlechte Laune und sein Mitleid mit sich, wenn etwas schief läuft. Er möchte nicht mit George tauschen, wird ihm unmissverständlich bewusst. George hat keine Möglichkeit mehr, sich Sorgen zu machen, Probleme zu lösen oder mit der Familie zusammen an den Anforderungen zu wachsen. Er hat das Geschenk des Lebens verloren. Henry empfindet seinen Frust als völlig unangebracht und fährt tief betroffen und bewegt nach Hause. Für ihn hat ein echter Wake Up Call stattgefunden. |
Erstellt am: 17.12.2010
